Georges Moustaki ist mit 79 Jahren in Nizza gestorben

Georges Moustaki Foto: Michiel Hendryckx
Georges Moustaki Foto: Michiel Hendryckx

Georges Moustaki (eigentlich Giuseppe Mustacchi) wurde am 3. Mai 1934 in Alexandria, Ägypten; geboren und starb am 23. Mai 2013 in Nizza, Frankreich. Er war ein französischer Sänger, Komponist und Lyriker.

Nizza: . Der Durchbruch gelang ihm mit dem Welthit „Milord“: Der französische Chansonnier Georges Moustaki ist im Alter von 79 Jahren in Nizza gestorben. In seinen Liedern besang er sein eigenes Leben, die Schönheit mediterraner Landschaften, die Liebe oder die Frauen.

„Die Frauen in meinem Bett sind keine 20 mehr, seit langer Zeit“, sang er offenherzig, als er vor sechs Jahren noch einmal seine Fangemeinde in den Konzerthäusern von Düsseldorf und Dortmund um sich scharte. Und beides, seine Aufrichtigkeit wie seine Frauengeschichten, prägten die Karriere des Liedermachers Georges Moustaki, fast mehr noch als sein Händchen für das Schreiben eindringlicher, haltungsstarker Chansons, die sich vollgesogen hatten aus vielen Wurzeln dieses griechisch-ägyptische-französischen Weltenbummlers.

Als er 1957 zum Geliebten der 19 Jahre älteren Varieté-Legende Édith Piaf wurde, sorgte das ebenso für Schlagzeilen wie sein Abgang im Jahr darauf: Da lag die Sängerin nach einem Zusammenbruch im Krankenhaus und Moustaki hatte die Nase voll – weniger von der launischen Piaf, als von der Clique rund sie herum, die den „Spatz von Paris“ mit Drogen und stets neuen Illusionen versorgte.

Und doch gab Moustaki später bereitwillig zu: „Ediths Zärtlichkeit ist heute die stärkste Erinnerung.“ Und auch er selbst ging selten einem Vergnügen aus dem Weg: „Meine Exzesse“, sagte er gegen Ende seines Lebens, als er eine Tournee absagen musste, „haben mich erschöpft“.

Durchbruch durch den Welthit „Milord“ für Edith Piaf

Entscheidender für seinen Durchbruch als Chansonnier aber war ohnehin, dass er den Welthit „Milord“ für sie geschrieben hatte. Doch bis Moustaki, der im ägyptischen Alexandria geborene Sohn griechischer Juden, der sich seit 1951 in Paris als Straßensänger durchgeschlagen hatte, zum Solisten auf der Bühne wurde, sollte es noch fast ein ganzes Jahrzehnt dauern – 1968 sprang er auf einer Tournee für die erkrankte Barbara ein, der er Lieder wie „La longue Dame brune“ (Die lange braunhaarige Dame).

Fortan wurde Moustaki, der seinen ursprünglichen Vornamen Giuseppe aus Verehrung für den große Chansonnier George Brassens gewechselt hatte, zum Stammgast in den Konzerthallen der Welt. Am Ende seiner Karriere wird er 300 Lieder (unter anderem für Dalida, Yves Monand und Juliette Gréco) geschrieben und weit über eine Million Alben verkauft haben. Die Lieder darauf lebten von ihrer Einfachheit bis hin zur Instrumentierung mit Bouzouki, Flöte und Gitarre. Damit rang Moustaki den alten Themen Liebe, Freiheit, Einsamkeit Wörter und Töne von großer Sanftheit, aber entschiedener Haltung ab.

Er haderte mit seiner Stimme

Die Titel, bei denen seine Anhänger bei Konzerten nicht nur die Refrains, sondern alles mitsummten, waren „Ma Solitude“, „Ma Liberté“ und „Le Métèque“ – im Französischen ein Schimpfwort wie das deutsche „Kanake“. Moustaki sang „mit der Schnauze eines lästigen Ausländers, eines umherirrenden Juden und eines griechischen Hirten“, wie es darin heißt. Und ersang sich die Sympathien von Millionen Anhängern weltweit nebst einer Legion von unzähligen Geliebten.

Sie alle sahen ihm nach, womit er selbst stets haderte: Seine Stimme konnte bei aller Wärme, die sie ausstrahlte, nicht zu den großen gezählt werden, zuletzt, als ihn schon ein Lungenleiden plagte, traf er auch auf der Bühne nicht mehr jeden Ton präzise.

Am Donnerstag ist in Nizza mit Georges Moustaki ein großer Chansonnier und ein noch größerer Liederdichter gestorben. Er wurde 79 Jahre alt – und hielt keines davon für verschenkt. „Wir haben das ganze Leben, um uns zu amüsieren“, heißt es dazu in seinem Chanson „La Philosophie“, „und wir haben den Tod, um uns auszuruhen.“

Jens Dirksen, WAZ , mit freundlicher Genehmigung

Über Jens Dirksen 4 Artikel
Jens Dirksen ist Kulturredakteur bei der WAZ in Essen, der grössten Tageszeitung im Ruhrgebiet.
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