Nicht nur im Titel seiner neuen CD „Glaubt nie, was ich singe“ knüpft Wenzel an seine für mich bisher beste CD „Schöner Lügen“ an, auch was die Qualität der Melodien, Texte und Arrangements betrifft, ist ihm hier wieder eine ganz herausragende Produktion gelungen .War „Schöner Lügen“ quasi seine Eintrittskarte in die gesamtdeutsche Chansonszene so ist die neue CD ein besonderer Meilenstein auf seiner „Lebensreise“ – so ein Titel der neuen CD. In 16 Chansons breitet Wenzel das ganze menschliche Panoptikum von Liebe bis Globalisierung aus – und mit „Jedes Ich braucht auch ein Du“ hat er dabei eine echte Perle geschaffen, einen Klassiker. Wie kunstvoll er dabei kindliche Abzählreime über christliche Bilder vom Gast, Wein und Tisch, die Singleeinsamkeit unserer Kaufrauschgesellschaft hin zum Nomadenleben fahrender Sänger spinnt: Das wirkt alles so leicht, als hätte er dieses Lied an einem schönen hellen Tag nur aus der Luft herunter pflücken müssen. Das Rebellische bei Wenzel wurzelt ebenso in dem Wissen um Zinseszins und Kapitalerträge wie in der Gewissheit, dass Freundschaft und Liebe immer noch möglich sind, auch wenn alles andere hier auf Erden schon längst verkauft und verhökert worden ist und zur Ware gemacht wurde. Diese Gewissheit scheint aus den neuen Liedern heraus – und hier ist für mich auch die Weiterentwicklung zu „Schöner Lügen“. Dort hieß es am Ende: „Es ist das alte Lied / man singt es immerdar / Alles was noch geschieht / Wird schlimmer sein, als es war“ Auf „Glaubt nie, was ich singe“ gehört zu jedem „Ich“ auch ein „Du“ - und passend dazu findet sich eine neue Stimme zwischen Streichern, Gitarren, Pauken und Trompeten in den Arrangements: im letzten Lied singt mit viel Schmackes und Herzblut eine Kinderstimme im Chor. So bleibt zuletzt das Heitere. Wenzels Musik ist noch reicher geworden: Ich würde mir als nächstens eine Solo Live-CD wünschen.
Repertoire: 9 Klang: 9 Interpretation: 8 Grafik und Layout: 9