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Schon mit sechzehn Jahren schrieb er eigene Songs:

Martin Sommer

Seine Worte sollen in der Luft liegen

Martin Sommer in ganz jungen JahrenDARMSTADT. Kinder von Berufsmusikern haben es nicht leicht. Wenn beide Eltern Bratsche spielen, beispielsweise im Philharmonischen Orchester Erfurt, erwarten sie von ihren Sprösslingen im Allgemeinen, dass die sich nicht allzu weit vom musikalischen Erbe entfernen. Das war auch beim 1979 geborenen Martin Sommer so: Er begann mit sechs Jahren Violoncello zu spielen, und da ihm dies nicht besonders lag, wechselte er mit zehn Jahren zum Klavier. Leidenschaft für die Musik entwickelte er jedoch erst, als er mit vierzehn anfing, die Gitarre zu zupfen. 

Von Anfang an fasziniert haben ihn dabei deutschsprachige Liedermacher wie Hannes Wader oder Reinhard Mey, sagt Sommer. Inzwischen war die DDR untergegangen, doch Jugendliche in Thüringen hätten auch weiterhin Probleme gehabt, sich von den Erwachsenen abzugrenzen. So begann Michael Sommer mit sechzehn, selbst Lieder zu schreiben. Ein Jahr später sei er dann mit einem halben Dutzend eigener Kreationen im Gepäck völlig unbedarft zum Liedermachertreffen nach Hoyerswerda gefahren, erinnert er sich.

Es war ein Erfolg: Denn dort gewann er auf Anhieb den Publikumspreis. Das ist jetzt wieder fast zehn Jahre her und mittlerweile ist Sommer der Gewinn dieses Preises noch zwei Mal gelungen. Kein Wunder, dass Rundfunk und Fernsehen auf ihn aufmerksam wurden, insbesondere als 2003 seine erste CD "Wort und Totschlag" erschien. "Das ist alles reiner Zufall", behauptet er in einem seiner Lieder. Doch nimmt man ihm diese Aussage weder für seine Karriere ab noch für ein von ihm besungenes Phänomen: Stets die richtigen Saiten seiner Gitarre trifft wohl auch dieser Musiker nicht.

Vor einiger Zeit hat sich der jetzt 27 Jahre alte junge Mann in Darmstadt niedergelassen: Er studiert Informatik an der hiesigen Technischen Universität. Doch ein kritischer Beobachter seiner selbst und der Welt ist er wohl geblieben. In seinem Lied "Bin seit Geburt auf einer Reise" singt er "ein Beifahrer ist fast unentbehrlich". Vielleicht auch deshalb begleitet ihn seit einiger Zeit Luise Enzian (19) auf einer keltischen Hakenharfe. So bilden sie eines der jüngsten Duos im Liedermacher-Genre, das heute in den Medien eher unterrepräsentiert ist.

Liedermacher-Nachwuchs ist rar, oder wie es auf Martin Sommers aktuellen Album klingt: "Erst den Hahn abdrehn und dann wundern, dass kein Wasser kommt." Kann man von daher mit der ungewöhnlichen Besetzung den Zeitgeist treffen? "Harfe und Gitarre sind wichtig. Aber sie begleiten nur die Texte, auf die es mir vor allem ankommt. Ich fasse Gedanken in Worte, die in der Luft liegen", sagt Sommer dazu. Im Juni 2006 ist im renommierten Müller-Lüdenscheidt-Verlag seine zweite CD mit dem schlichten Titel "Chansons" erschienen, und der Deutschlandfunk hat bei einem Konzert auf dem Theaterboot in Dresden eine einstündige Sendung aufgezeichnet, die Anfang November im Radio zu hören ist.

Am 3. November 2006 sendet der Deutschlandfunk um 21.05 Uhr im Radio die Aufzeichnung eines Martin-Sommer-Konzertes auf dem Theaterboot in Dresden.

Marc Mandel, Darmstädter Echo - 25.10.2006 

    



Publiziert am 14.01.2007 (11766 mal gelesen)

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