Dziuk

Danny Dziuk - Liedpoet aus Berlin

„Als ich schließlich dort wegging, vollkommen allein…“

Von einem Tag auf den anderen schmeißt er 1977 das Studium, bricht mit Freunden, Eltern und der Musikhochschule und beschließt wie einst Jack Kerouac in Unterwegs „erstmal auf Reisen zu gehen: Ich war irgendwie so ein begabtes Kind, und das Drama des begabten Kindes wollte ich mir ersparen, gegensteuern, ich weiß nicht, ob abhärten das richtige Wort dafür ist, da hätte ich ja auch zur Bundeswehr gehen können, aber ich wollte es einfach erdiger haben“ So versucht sich Danny als Straßenmusiker, spielt und singt Folksongs auf der Gitarre, zieht mit zwei Belfaster IRA-Sympathisanten durch Spanien und Frankreich, arbeitet in Perpignan bei der Weinernte, beim Straßenbau in Marseille, im Hafen von Rotterdam und bei der Post in München. Anfang der achtziger Jahre hat er die Nase voll vom Herumziehen. „Mittlerweile“, sagt er, „frag ich mich, ob das nicht Quatsch war, voll Sehnsucht auf der Suche nach irgendwas durch die Welt zu ziehen, diese Illusion von Freiheit oder was auch immer. Trotzdem denk ich, dass ich diesem jungen Paddelkopp von damals heute noch immer gegenübertreten könnte. Auch glaub ich, dass Kerouac & Cassady den auf dem Rücksitz ihres alten Strassenkreuzers akzeptiert hätten. Bei mir in meinem jetzigen Aggregatzustand wäre ich mir da nicht so sicher.“

„Ich kam nach Berlin, die Sonne schien“

Hamburg und London sind in der engeren Auswahl für einen neuen Anfang, aber Danny geht nach Berlin, fährt zunächst Gabelstapler für einen Getränkebetrieb in Tegel und kommt in einer Art Ex-Hausbesetzer-WG in Kreuzberg unter, mit der er Anfangs auch Musik macht. „Die waren von der AA0 beeinflusst – Aktionsanalytische Organisation, grauenhaft – und Otto Mühl. Das war so einer, der z.B. Tiere auf der Bühne schlachtete, das Publikum dabei mit Blut bespritzte („da könnt ihr mal sehen, wie verlogen die sind!“), später eine Sexkommune aufmachte mit ‚Fickhierarchien’ und zuletzt wegen Kindesmissbrauchs drangekriegt wurde.“ Aus dieser Wohngemeinschaft ist er nach ziemlich kurzer Zeit dann auch folgerichtig „hochkantig rausgeflogen“, aber da hatten ihn schon andere gehört und gesehen und so ist Danny bei Johnny & The Drivers gelandet. „Wir spielten z. B. im Quasimodo oder im Quartier Latin, und ich nannte mich Danny Deutschmark, denn Dziuk konnten die sich ja nicht merken. Der Bassist kam von der frühen Mitch-Ryder-Band aus den Staaten, und ansonsten war da vor allem John Thomas, ein Australier, der Frontmann und Sänger der Band, so einen hab ich auch hinterher nie wieder
getroffen. Der kam mir immer vor wie aus On The Road von Kerouac, der lebte das wirklich,
Rock’n’Roll, oder was man darunter halt so verstand. Wobei das Buch ja musikalisch eher mit BeBop zu tun hat, aber das ist eine andere Geschichte.“

„Wie intakt kommt man raus hier aus diesen komischen Schuh’n?“

Etwa um diese Zeit lernt Danny auch Klaus Lage kennen, spielt in dessen Band und schreibt im Laufe der 80er vereinzelt Songs für ihn. „Das wäre eine mögliche Karriere gewesen, daran hätte man sich halten können, finanziell, meine ich. Zum Beispiel bekam ich als erster den Text von ‚1001 Nacht’ zugeschickt. Diether Dehm hatte den geschrieben. Ich fand ihn so kreuzdämlich, dass ich da nicht mal drauf reagierte. Jedenfalls hat am Ende der, der das dann vertonte, sich ein hübsches Haus davon gebaut. Und ich kann nicht mal sagen, dass mir das Leid tut. Denn in solchen Häusern bleibt man dann in der Regel auch für den Rest seines Lebens stecken, geistig, meine ich.“ „Klaus Lage war irgendwie ein netter Kerl, half auch, wo er konnte, und besaß zweifellos, was man eine wirklich brauchbare Stimme nennen könnte. Das eigentliche Problem dahinter war jedoch vor allem besagter Diether Dehm. Der zog im Hintergrund an allen möglichen Strippen, schrieb fürchterlich peinliche Texte und schaffte es durch seine fischig agile Wendigkeit, die auch überall anzubringen, und zwar von Dieter Thomas Hecks Hitparade bis hin zu „Künstler in Aktion“, „Künstler für den Frieden“, „Künstler für weiss-der-Geier“…
Hauptsache, das ganze hatte den richtigen politischen Anstrich, und die Bahn war frei für jede Art von Kitsch, Labberigkeit & Aufweichung. Darin bestand die grosse Rechtfertigung für aber-auch-alles… was auch gleichzeitig das Perverse ist an dieser Politik & Kunst-Logik. Auch privat konnte man ein noch so grosses Arschloch, Karrierist, Intrigant & Machtmensch sein, solange man nur auf der vermeintlich richtigen Seite stand. Ich misstraue diesem derZweck-heiligt-die-Mittel-Konzept zutiefst“.

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