Asita Djavadi singt Piaf

Sie ist wieder da!

Asita Djavadi singt Piaf: „Ich schlüpfe in Kostüme und Rollen, trage eine Maske und kann diese Hüllen nur authentisch zum Leben erwecken, wenn ich nicht spiele, sondern bin.“
Asita Djavadi

Im Großen Haus des Lüneburger Theaters habe ich den kleinen Spatz erlebt: die große Edith Piaf. Zu ihr, ihrem bewegten Leben und zu ihren Chansons muss hier nichts geschrieben werden, sind sie doch längst fester Bestandteil unseres kollektiven Musikgedächtnisses. Aber was da auf der Bühne vor sich geht, wenn Asita Piaf singt, das muss berichtet werden.

Asita Djavadi tritt auf einen kleinen Bühnenfleck, gleich vorn an der Rampe, nah am Publikum. Hinter ihrer zierlichen Gestalt – raumgreifend – die Lüneburger Symphoniker. Das Orchester gibt vor – und dann beginnt Asita mit „La goualante de pauvre Jean“. Jetzt die Augen geschlossen, würde man meinen: Piaf ist wieder da ! Aber es ist mehr: da ist eine, die singt wie Piaf !

Und so kann man die Augen nicht schließen, denn mit dieser Stimme verändert sich der Raum: ab sofort dominieren Gesang und Ausstrahlung Djavadis raumgreifend alle Schwingungen im Großen Saal. Gleichzeitig fügen sich die hervorragenden Symphoniker unter der Leitung von Thomas Dorsch völlig uneitel in die Rolle der musikalischen Begleitung und tun auf diese Weise der Sängerin und ihrem Programm zusätzlich gut.

„Ich schlüpfe in Kostüme und Rollen, trage eine Maske und kann diese Hüllen nur authentisch zum Leben erwecken, wenn ich nicht spiele, sondern bin.“

Das erlebt man, wenn Asita mit einer geradezu phänomenalen Ausstrahlung, einer schauspielerischen Leistung, die die Texte nahezu genial pointiert und mit einer Stimme, die Piafs Chansons direkt in die Herzen der Zuhörer führt, Piaf nicht kopiert, sondern sie – ganz authentisch – neu erfindet. Dabei interpretiert sie gesanglich etwas weicher, weniger scharf als das Original. Mit mal höchst zartem, sparsamen, mal überwältigend kraftvollem Schauspiel und mit einem unglaublich vielfältigen stimmlichen Ausdruck malt Asita die emotionalen Panoramen der Chansons in allen nur denkbaren Nuancen aus. So singt sie nicht nur bei „Padam“ die pure Lebensfreude, das tiefe Liebesleid, die verzweifelte Todesnähe und schließlich den ungebrochenen Piaf’schen Lebenswillen – kurzum: den ganzen Supermarkt der Gefühle – ergreifend heraus und übersetzt auf ihre Weise die französischen Texte in die Sprache der Herzen.

Darüber hinaus sucht und findet Asita auch einen erotisch-knisternden Kontakt zum Publikum, lässt mitsingen und sucht sich – ganz gemäß Piaf’scher Sinnesfreude – den Herrn in der ersten Reihe sehr sorgfältig aus, dem sie sich singend auf den Schoß setzt.

Höchst selten habe ich es erlebt, dass das Publikum vor der Pause eine Zugabe zu erklatschen versucht. Am Ende sind es drei Zugaben unter stehenden Ovationen. Seit 2003 singt und spielt Asita Piaf. Ausgezeichnet wurde sie 2008 mit dem Ravensburger Kleinkunstpreis für die Darstellung der Edith Piaf sowie 2013 mit dem Publikumspreis der Burgfestspiele Jagsthausen.

Aber Asita Djavadi kann noch viel mehr als Piaf. Sie ist eine Allrounderin in Chanson, Musical, Schauspiel und Coaching, deren Wirken zu verfolgen mir äußerst empfehlenswert erscheint. Wer Piaf mag, muss sich das ansehen. Wer mehr über diese extraordinäre Künstlerin erfahren möchte, schaue hier: http://asitadjavadi.de/
Ich habe den kleinen Spatz erlebt – wenn Piaf lebt, dann in den wunderbaren Gesängen der Asita Djavadi.

Kai Runge
Über Kai Runge 3 Artikel
Kai Runge, geboren und aufgewachsen in Bremen, ist im Brotberuf Didaktischer Leiter einer niedersächsischen Oberschule. Nachdem er 20 Jahre als Seminarleiter Lehrkräfte ausgebildet hat, erteilt er nun selbst wieder u. a. praxisorientierten Musikunterricht. Als Autodidakt auf vielerlei folkloristischen Instrumenten ist er seit Jahrzehnten federführend an verschiedenen Bandprojekten beteiligt. Er brachte u.a. Programme mit eigenen Tucholsky-Vertonungen, deutschen Liebes- und Lästerliedern, anglo-amerikanischem Folk, amerikanischem Folk-Rock und mit Liedern des schwedischen Nationaldichters Carl Michael Bellman auf diverse Bühnen. Das beständigste Projekt mit seiner Band Kullersteen ist irischen Balladen, Auswanderer- und Trinkliedern gewidmet. Darüber hinaus engagiert er sich seit Jahren in der Förderung der Kleinkunst in seiner Region.

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